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Minuspunkte für Petrus

„Auf die Plätze, fertig, still!“ gibt unser Wanderguide Andi das Kommando, als wir mitten in der sternenklaren Nacht hoch über dem kleinen Örtchen Ried stehen, die Stirnlampen ausgeschaltet haben und mit dem Kopf im Nacken den großen Wagen über uns bewundern. Durchatmen, die Stille genießen und die glitzernden Sterne über uns bestaunen – uns geht’s gut. Aber es ist kalt, der Atem raucht und deshalb müssen wir rasch weiter ziehen. Schließlich haben wir noch ca. 15 Stunden vor uns…

9 Stunden zuvor sind wir mit einer wackeren Gruppe von 48 Teilnehmern in Kandern/Scheidegg zu unserer 24-Stunden-Wanderung gestartet. Hoch motiviert und im munteren Auf und Ab geht es los. Gleich merken wir, dass wir eine richtig fitte und homogene Truppe beieinander haben. Viele Neulinge, doch auch einige Wiederholungstäter und bekannte Gesichter sind dabei. Der Weg führt uns durch das idyllische Kleine Wiesental. „Hier sieht’s ja aus wie im Allgäu!“ hören wir aus der Gruppe. Das nehmen wir jetzt mal als Kompliment!

Die erste Etappe bis zum Fröhlichen Landmann in Kirchhausen vergeht wie im Flug. Dort stärken wir uns mit verschiedenen kleinen Häppchen, bevor wir weiterziehen. Zunächst geht’s am Bauernhofmuseum Schneiderhof vorbei. Es bleibt nur Zeit für einen kurzen Vortrag von unserem „Kulturbeauftragten“ Andi, denn es zieht uns den Berg hinauf. Geschnaufe. War das Dessert doch zu viel?!

Die Sonne brutzelt uns im Nacken. Noch sind nur vereinzelt Wolken zu sehen. Wir freuen uns über das Wetter, die gute Laune und die herrliche Aussicht. Wir drehen eine Runde um das Örtchen Schwand, bevor wir in der Sennhütte einkehren und uns mit einer heißen Suppe stärken. Wir haben sogar noch genügend Luft, um ein Geburtstagsständchen für unsere Teilnehmern Sabrina zu schmettern. Schließlich profitieren wir alle vom Geburtstagskuchen, den ihr Partner Ben als Überraschung für uns alle organisiert hat!

Raus in die Nacht. Jetzt kommt der spannende Teil. Weiter geht es den Berg hinauf. Die Grillen zirpen und vereinzelt hört man noch ein paar Vögel zwitschern, bevor sie sich zur Nachtruhe begeben. Hier und da raschelt es im Wald. „Was? Das war gerade das Örtchen Raich?“, fragt Irmi, die sich eigentlich hier auskennt. „In der Nacht sieht das alles sooo anders aus!“

So langsam wird es ruhiger in der Gruppe. Jeder hängt seinen Gedanken nach, genießt die Nacht oder spult einfach nur die Kilometer runter. Mitternacht haben wir schon längst hinter uns. An der Grubenhütte rasten wir kurz. Schokolade wird bereitwillig geteilt und die ein oder andere Thermoskanne macht die Runde.

Nun geht es hinunter zum Nonnenmattweiher. Ist hier nun tatsächlich ein Nonnenkloster versunken oder stammt der Name doch eher von den „Nonnen“ genannten Mastkühen? Ist uns egal, denn wir  wollen einfach nur die gespenstische Stimmung aufnehmen. Unsere Stirnlampen spiegeln sich im Wasser, als wir schön aufgereiht hintereinander um den See marschieren. Sogar ein paar Fische springen aus dem Wasser, um uns zu begrüßen.

Ein paar Meter weiter wartet unser Jörg mit Fackeln an einem lauschigen Plätzchen auf uns und hat heißen Tee und frischen Zopf für uns vorbereitet. Das tut gut! Doch lange rasten wollen wir nicht. Es ist kalt, dunkle Wolken ziehen auf und wir wollen hinauf auf den Belchen. Ein etwa zweistündiger Anstieg steht uns bevor.

Jeder marschiert in seinem eigenen Tempo; vorne geht es recht zügig bergauf. Der Nebel wird immer dichter. Ich sehe fast die Hand vor Augen nicht. Sonnenaufgang am Gipfelkreuz? Fehlanzeige! Dichter Nebel und kalter Wind begrüßen uns. Schnell hinunter zum Belchenhaus ins Warme. Doch wir waren zu schnell. Noch ist das Belchenhaus geschlossen und wir harren in der Bergstation der Belchen-Seilbahn aus, bis wir uns auf die frischen Weckle stürzen dürfen. Im Belchenhaus gelingt uns noch eine Live-Schaltung ins SWR-Radio. Und selbst nach 16 Stunden auf den Beinen gelingt unserem Teilnehmer Heinz und mir es noch, ein paar muntere Sätze im Telefoninterview loszuwerden!

Kurz nach 7 Uhr brechen wir am Belchen auf und es geht hinaus in den Regen. Es regnet jedoch nicht nur; es schüttet! Trotzdem machen wir uns guten Mutes auf in Richtung Wiedener Eck. Den Münstertälern unter uns blutet das Herz, weil uns Wolken und Nebel  die schöne Aussicht ins Tal hinunter verwehren.

Manchmal zahlt es sich aus, ganz hinten zu wandern: Volker und Heinz bilden durchgängig mit unseren Mädels den Abschluss. So sehen sie gemeinsam mit unserer Sarah eine Gams grazil umher hüpfen. Und auch der Badische Riesenregenwurm zeigt sich!

Familie Wissler vom Berghotel Wiedener Eck öffnet ganz spontan für uns Wanderer ihre Pforten und lässt uns völlig durchnässt in die gute Stube einfallen, damit wir uns dort mit heißem Tee aufwärmen können. Herrlich!

Jetzt heißt es Zähne zusammenbeißen. Etwa zweieinhalb Stunden strenger Fußmarsch liegen vor uns bis zur Almgaststätte Knöpflesbrunnen – normalerweise ein wunderschöner Weg mit Alpensicht. Aussicht gibt’s keine, dafür hält Petrus weiterhin seine Schleusen geöffnet und kippt das Wasser eimerweise auf uns. Aber bei schönem Wetter kann schließlich jeder wandern!

Im Knöpflesbrunnen tanken wir nochmals Energie mit Brägele, Wurstsalat und Quark. „So nass war ich noch nie in meinem Leben“, meint Ben. Kontrolliert habe ich es zwar nicht, aber ich gehe davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt so gut wie alle bis auf die Unterhose nass sind…! Aber unsere 24-Stunden-Wanderer sind hart im Nehmen! Rucksack schultern, Regenjacke wieder an und auf geht’s zum Endspurt hinunter nach Todtnau. Noch eine Stunde – das schaffen wir!

Auch in Todtnau – wie soll es anders sein – werden wir mit Regen empfangen… und von Jörg, der uns sehnsüchtig mit einem Belchengeist erwartet. Den haben wir uns so richtig verdient.

Wow – geschafft! Was für eine Tour – was für ein Abenteuer! 60 Kilometer und 2.500 Höhenmeter von Kandern nach Todtnau haben wir in den Beinen. Auch wenn am Ende Nässe und Kälte im Mittelpunkt standen, so hatten wir doch über die Hälfte der Tour schönes Wetter. Und wir hatten sensationelle Gäste, die sich nicht unterkriegen ließen. Einfach genial!

Unser Wiederholungstäter Wolfgang wurde nicht enttäuscht: „Wir haben alles erlebt, was der Schwarzwald hergibt. Sonne, Regen, Nebel, Kälte, gutes Essen und vor allem nette Hinterwälder.“

Auch Edwin ist begeistert: „Vielen Dank für die tolle 24 Stunden-Wanderung!! Hat einen Riesenspaß gemacht. Für die Organisation und Eure stets gute Laune während der gesamten Tour gebe ich Euch 5 von 5 möglichen Sternen, Petrus bekommt für’s Wetter aber nur 3. Hoffentlich klappt es ja nächstes Jahr wieder und vielleicht gibt sich dann auch Petrus etwas mehr Mühe.“

Und auch Gunter lässt uns wissen, „dass er jederzeit wieder mitlaufen würde!“

Wir freuen uns schon auf die nächste 24-Stunden-Wanderung mit euch!!!